Was feiern wir zum Geburtstag? Oder: Wer wird warum beschenkt?

Wer sollte zum Geburtstag wirklich gefeiert werden?

Ungerechtfertigte Bereicherung?

Der Jubilar hat weder Einfluss auf seine Entstehung, noch auf Details der „Menschwerdung“. Dennoch wird er zum Jahrestag seiner Geburt i.d.R. mannigfaltig beschenkt. Warum? Diese Sitte ist weltweit etabliert und aus der Geschichte der Menschheit nicht wegzudenken, wird sie uns quasi als Bonus zur DNA mitgegeben.

Dem objektiven Verstande nach gebühren die Feierlichkeiten wohl eher den Eltern, allen voran der Mutter des Jubilars. Sie hat die Strapazen der Geburt (und manchmal auch der Zeugung) durchlitten und überlebt, was zumindest in unserem Umfeld mittlerweile zum Glück der Normalzustand ist. Zweifelsfrei kann man ab einem gewissen Zeitpunkt aber auch den Jubilar dafür feiern, den zahlreichen Gefahren des frühzeitigen Ablebens erfolgreich entgangen zu sein. Aber wann ist dieser Zeitpunkt? Nach dem Auszug aus dem Elternhaus? Nach dem überstandenen Wehrdienst? Nach der Midlife-Crisis? Wenn er der einzige noch lebende Teilnehmer des Ereignisses – der Geburt – ist?

Die Gegenleistung des Beschenkten

Bereits ab dem Kleinkindalter wird der Jahrestag der Geburt automatisch mit Geld- und/ oder Sachgeschenken verbunden. Und mit einer Feier; je nach Alter, Status und Einkommen im kleinen Kreis, in großer Runde oder in ausuferndem Gelage. Der Jubilar schafft sozusagen das Rahmenprogramm zur Bereicherung und legt durch Einladung eines meist festen Kreises auch die Möglichkeiten für die Geladenen eng, der Veranstaltung – und folglich der Abgabe eines Geschenkes – fern zu bleiben. Dreht sich die Angelegenheit also im Kreis? Wird die Feier lediglich ausgerichtet, um Geschenke entgegen zu nehmen und werden Geschenke überreicht, um das ungeschriebene Protokoll zu erfüllen? Möglich. Scheinbar gehört die Verknüpfung „Feier <-> Geschenk“ für zahlreiche Mitmenschen zum Weltbild.

Was bleibt?

Einzige scheinbar vernünftige These ist, dass man die Freude über die Existenz des Jubilars ausdrücken möchte und dazu gebündelt den Jahrestag der Geburt als Anlass nimmt. Soweit nachvollziehbar, soweit bei genauerer Betrachtung auch recht respektlos. Geliebte und geschätzte Menschen sollte man nicht nur einmal im Jahr wissen lassen, dass einem etwas an ihnen liegt, sondern übers Jahr hinweg in vielen kleinen Taten, Gesten und Worten. Auf der anderen Seite hat der Jubilar einen zugkräftigen Anlass, möglichst viele ihm wichtige Menschen zeitgleich um sich zu scharen. Die Gaben sollten dann bestenfalls die Tiefe des Verhältnisses auszudrücken fähig sein – wenn nicht gar ganz vom Jubilar erbeten ist, darauf zu verzichten. Durch diese Konzentration auf das Wesentliche, auf die Zusammenkunft, demonstriert der Gastgeber wahre Größe. Ob gewollt oder nicht.

Fazit

Sollte man nun auf die vererbten Rituale zum Jahrestag verzichten? Ganz klar NEIN. Denn mit der Auswahl des passenden Geschenkes ist idealerweise auch die (konstruktive) Auseinandersetzung mit der Situation des Jubilars und seinen konkreten Wünschen und Zielen verbunden. Der Gastgeber wird bestrebt sein, den kulinarischen und unterhalterischen Erwartungen der Mehrzahl seiner Gäste gerecht zu werden. Nun muss auch er sich im Vorfeld etwas mit diesen beschäftigen…

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