Pfeife schnitzen – vorgefertigte Kantel helfen

Das aufwändige Kostüm für die große Convention nähen, ein detailgetreues Modellflugzeug für den großen Auftritt auf dem Modellflugplatz bauen oder die einzigartige Pfeife schnitzen, um sie dann andächtig zu rauchen. Zu einigen Hobbies gehört die Herstellung des eigentlichen freudebringenden Gegenstandes ebenso dazu wie die anschließende Nutzung.

Die Ausgangsbasis

So wie es beispielsweise Schnittmuster für gängige Kostüme und vorgefertigte Rumpfteile oder Motoren für Modelle gibt, so bietet auch die Pfeifenindustrie Unterstützung bei der Herstellung einer selbst entworfenen Pfeife.

Im Handel sind grob vorbereitete Pfeifenrohlinge, sogenannte Kantel, erhältlich. Die Preisspanne reicht von etwa 17,00€ bis teilweise über 50,00€; hierbei kann man aus verschiedenen Grundformen wählen, beispielsweise ob das Mundstück gerade, halb oder vollständig gebogen ist. Oder ob Borke auf der Oberseite sein soll oder nicht. Je nach Anbieter kann man auch zwischen verschiedenen Mundstücken und Zierelementen (wie etwa Ringen) wählen. Natürlich werden auch Mundstücke (je nach Ausführung zwischen ca. 5,00€ und 25,00€) angeboten, die beispielsweise durch ihre Formgebung oder Musterung den Charakter der Pfeife unterstreichen können.

Mundstück Mouse als Bonus beim Pfeife schnitzen
Mausgrauser Mundstück-Rohling für eine individuelle Pfeife
Bonus beim Pfeife schnitzen: Mundstück Cumberland
Cumberland-Mundstück-Rohling für eine individuelle Pfeife

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man darf natürlich keineswegs vergessen, dass die Kantel keinesfalls die erste Sortierung der Hersteller sind. Sie wurden aus welchem Grund auch immer -eventuell für die aktuell gefertigte Serie unpassende Größe, Überproduktion, ungeeignete Struktur- aus der laufenden Produktion aussortiert. Das bedeutet keineswegs, dass es sich um schlechtes Holz handelt. Maserung, Härte und andere wichtige Faktoren müssen nicht zwangsläufig hintenan gestellt sein. Jedoch werden die Pfeifenrohlinge mit aller Wahrscheinlichkeit von keinem Hersteller gezielt produziert, sondern sind nur die Verwertung von Ausschuss. Wie gesagt, trotzdem alles in Ordnung. Es handelt sich um eine Möglichkeit, für sehr wenig Geld Erfahrungen beim Bau von Pfeifen zu sammeln. Zugegeben, die gestalterische Freiheit ist durch die bereits erfolgten Bohrungen und den Holm mit Mundstück etwas eingeschränkter, als bei einem „nackigen“ Klotz, einem sogenannten Ebauchon. Dennoch kann der Einstieg kaum besser gelingen, als mit einem Kantel, bei dem die schwierigsten Arbeiten schon erledigt sind.

Pfeife schnitzen

Natürlich wird die Pfeife nicht nur mittels schnitzen in Form gebracht, sondern auch mithilfe diverser Sägen (z.B. Bandsäge, Dekupiersäge, Stichsäge, etc.), je nachdem, was dem Pfeifenbauer zur Verfügung steht. Es ist wie bei allen Projekten ratsam, eine Skizze anzufertigen, um das gewünschte Ergebnis planmäßig zu erreichen. Nichts ist ärgerlicher, als den Kantel wegen einem unglücklichen Schnitt doch nur noch als Feuerholz verwenden zu können.

Bereits vorhandene Pfeifen können herhalten, um die Dimensionen -vor allem Kopfhöhe und Kopfdurchmesser- realistisch einschätzen zu können. Bei Gegenständen, die sich in der Größenordnung unserer geliebten Tabakpfeifen bewegen, ist das durchschnittliche Auge weniger geübt und 1 Millimeter kann den Unterschied zwischen und Hui und Pfui ausmachen. Lieber Schritt für Schritt langsam der Form nähern und getreu dem Credo „Zweimal messen, einmal schneiden“ lieber einmal mehr nachmessen, ob noch alles im Lot ist.

Der schwierigste Teil ist sicherlich den Kopf der Pfeife gleichmäßig rund um die Brennkammer herum zu fertigen. Auch unterhalb der Holmoberkante sollte die Rundung gleichmäßig um den Kopf verlaufen. Hier neigen einige Pfeifenschnitzer dazu, den Kopf viereckig zu gestalten, mehr oder weniger nur ein bisschen die Ecken abrunden und gegebenenfalls etwas schmaler zu schliefen. Ob das tatsächlich immer dem ästhetisch verwöhnten Auge des Pfeifenrauchers entspricht? Marktgängig sind solche Kreationen jedenfalls meiner Erfahrung und Beobachtung nach nicht.

Fertigstellung

Zum Abschluss der Fertigung wird die Oberfläche vervollständigt. Hierbei bietet sich eine schier unendliche Bandbreite an Möglichkeiten; beizen, ölen, wachsen (Carnaubwachs), lackieren, schnitzen (Motive und Muster), rustizieren (bspw. mit einem Dremel), sandstrahlen, bürsten (mit Drahtbürste)und so weiter, und so weiter. Natürlich finden sich die unterschiedlichsten Techniken auch in raffinierter Kombination.

Wurde die Pfeife gebeizt, ist es in der Regel notwendig, die Oberfläche mit Wachs zu versiegeln und anschließend mit einer Polierscheibe auf Hochglanz zu bringen. Aufgetragene (hitzebeständige!) Lacke müssen ebenfalls poliert werden, Pfeifen mit besonders schöner Färbung oder Maserung werden auch gern nach dem Feinschliff nur geölt, um die Struktur besser zur Geltung kommen zu lassen.

Nach aller Mühe kommt der große Moment: die selbst hergestellte Pfeife wird zum ersten Mal unter Feuer genommen. Großartig.

 

Gerne veröffentlichen wir an dieser Stelle Bilder von Pfeifen, die unsere Kunden aus Kanteln geschnitzt haben. Pfeife schnitzen als meditative Handwerkskunst? Lassen Sie sich doch für Ihr nächstes Projekt inspirieren.

 

 

Kantel und Mundstücke erhalten Sie in unserem Shop Zigarre & Pfeife.

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