Neujahr – Alles auf Anfang

Neujahr – Alles auf Anfang

An Neujahr wird alles auf Null gestellt. Der Kalender, mit dem die Termine des abgelaufenen Jahres koordiniert wurden, wird nach einjährigen Dienst von seinem Nachfolger abgelöst, die Heizkostenabrechnung ist dank 13. Monatsgehalt auch schnell vergessen. Die guten Vorsätze werden dieses Jahr auch wirklich eingehalten, Streitigkeiten nicht wieder aufgewärmt und natürlich steht auch dem großen Schritt in der Karriere nichts entgegen. Neues Jahr, neues Glück. Neues Jahr, neue Welt?

Nüchtern betrachtet…

…ist die eigentliche Bedeutung des Jahreswechsels zwar viel geringer, als die unterschwellige Aufbruchsstimmung in Funk und Fernsehen uns gerne einimpfen will. Am 01. Januar treten neue Gesetzte ebenso wie Gesetztesänderungen in Kraft, werden unter Umständen jährlich zu zahlende Beiträge/ Prämien/ Gebühren fällig und in den meisten Unternehmen beginnt das neue Wirtschaftsjahr. Das passiert jedoch auch oft genug zu anderen Zeitpunkten, die gut zu merken sind; Quartalswechsel sind ebenfalls sehr gute Gelegenheiten, Änderungen umzusetzen.

Exakt eine Woche vor Silvester taumelten wir noch in vollkommener Glückseligkeit, haben Händler die umsatzstärkste Zeit des Jahres erlebt und wir suchten Harmonie in allem, was wir taten. Nun ist Silvester da. Laut, glänzend, verheißungsvoll -dieses Jahr lief alles schlecht, aber jetzt wird alles besser! Wenn das Jahr wüsste, was von ihm erwartet wird, würde es wohl noch etwas länger auf sich warten lassen. Bei Lichte betrachtet ändert sich durch den Jahreswechsel weder plötzlich das Wetter, noch die eigene innere Einstellung, die meist die Wurzel der allermeisten Probleme ist. Auch das persönliche Umfeld ändert nicht unvermittelt die Meinung positiv, ohne dass man etwas dafür täte. Das Finanzamt vergisst Verfehlungen aus dem Vorjahr ebenso wenig wie das Inkassobüro, das eine vergessene Rechnung eintreiben soll. Das Gewicht ändert sich nicht ohne zutun, das Einkommen wird nicht grundlos steigen und der Geistesblitz, der alles ändert, fühlt sich auch nicht sonderlich zur Erscheinung provoziert, nur weil die Jahreszahl gestiegen ist.

Aussagekräftige Zeiteinheit

Dennoch ist Silvester eine psychologisch wichtige Wegmarke. Alles, was wir tun, planen, erleben, ist zeitlich mess- und zuordenbar. Wissen wir, dass unser Gegenüber 17 Jahre alt ist, können wir zumindest das Wissen um bestimmte Umgangsformen voraussetzen. Bei einem 87 Jährigen Gesprächspartner ist von umfangreicher Lebenserfahrung und Rundumsicht auszugehen. Warum? Weil er (bzw. sie) mindestens 87 mal 365 Tage auf diesem Planeten verbracht hat. Das sind mindesten 31755 mal 24 Stunden, also 762120 Stunden. Plus Bonus durch Schaltjahre. Wenn man sich nur überlegt, was in den vergangenen 365 Tagen alles passiert ist, erscheint die Masse an (durchschnittlich zu erwartender) Erfahrung geradezu erschlagend. Das können wir ganz schnell abschätzen anhand der Jahre. Wie der Zustand einer durchschnittlich gepflegtenImmobilie sein dürfte lässt sich ebenfalls anhand der seit dem Bau verstrichenen Jahre abschätzen. Oder ob eine gute Zigarre oder ein bestimmter Weil bereits ausreichend reifen konnte. Oder ob das begehrte Auto bereits als Oldtimer zählt und damit etwas geringere Unterhaltskosten bedeutet. Oder ob die Romanze mit der Eroberung vom Jahrmarkt rechtlich unbedenklich ist.

Ein Jahr ist als Zeiteinheit wichtig. Als Zeiteinheit, für die man ein recht gutes Gefühl hat. Die nicht zu kurz ist, als dass ihre Anzahl zu schnell steigen würde, aber auch nicht so lang, dass das Ende eine Zyklus in unfassbarer Ferne läge. Man hat einen überschaubaren Rahmen, in dem man sich auch auf feste Veranstaltungen freuen kann: Valentinstag, Ostern, Weihnachten, Geburtstag, Stadtfest, Saisoneröffnung, Urlaub, etc.

Das neue Jahr bringt wieder aufkeimendes Leben im Frühling, gesellige Freiluftabende im Sommer, einen farbenfrohen Herbst und vielleicht eines Jahres wieder einen schneereichen Winter. Das neue Jahr bringt Gelegenheit, angefangen Dinge zu Ende zu bringen und geplante Dinge anzufangen. Es gestattet, die Vergangenheit abgeschlossener und die Zukunft greifbarer betrachten zu können. Es hilft, neuen Mut zu machen und dem persönlichen Masterplan, dem Lebensentwurf, eine Struktur zu geben, die eine Reihenfolge planbar, überprüfbar und vergleichbar macht. Bei alledem, was wir gerne in ein einziges Jahr hineinbringen würden, scheint eine so starre Zeiteinheit geradezu optimal in Länge und Kürze, um Vergleichbarkeit zu schaffen.

 

Etappen im Masterplan

Ich persönlich habe mir einige kleine Ziele (keine Vorsätze!) gesteckt:

-drei Buchprojekte abschließen, an denen ich schon lange arbeite

-eine Weiterbildung beenden, die ich spontan in Angriff genommen habe

-den Garten durchdacht und planmäßig zu bewirtschaften, statt nur sporadisch zu säen

Edit:

Alle drei Vorhaben sind umgesetzt. Weiterbildung mit gutem Erfolg abgeschlossen, die Bücher sind veröffentlicht und der Garten pflegeleicht, aber ergiebig umgestaltet.

 

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