Hipster und Pfeife? Gut so!

Hipster – unfreiwillige (Sub) Kultur

Hipster.  Je nach Sender und Empfänger ist der Begriff positiver oder spöttischer angehaucht, selten auch als Negativum gebraucht. Es ist eine Abgrenzung in eine Subkultur, die keine Subkultur sein will. Bisweilen liest man auch die Bezeichnung Neo-Spießer für Hipster. Welcher Begriff schmeichelhafter ist, liegt im individuellen Bereich der Beteiligten. Insgesamt handelt es sich bei dieser Subkultur, die nicht fest abzugrenzen ist, meiner Auffassung nach um ein Sammelbecken kollektiver Individualisten, die im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Mitte zuzuordnen sind und keine Ambitionen hegen, die Welt zu verändern oder das Rad neu zu erfinden.

Ich bin kein Hipster, eher Dandy oder Sapeur. Aber der Aspekt, der mir an Hipstern besonders gefällt, ist sozusagen das Recycling alter Ideale. Man muss das Rad nicht neu erfinden, es reicht schon aus, nachzusehen, warum es sich dreht. Was vorige Generationen gut fanden muss heute nicht weniger gut, nur weil es andere Möglichkeiten gibt.

Fragwürdiges Selbstbild

Hornbrillen, Jutebeutel und Hochwasserhosen zählen ebenso zum Schick der Hipster wie Hüte, Rauschebärte, Blümchenaufnäher – und zunehmend auch Pfeife. Über den aufkeimenden Trend zur Pfeife ereifern sich „Fachgruppen“ in sozialen Netzwerken derzeit und versuchen, sich in Abwertung der vermeintlichen Pfeifenneulinge zu überbieten.

Pfeifenraucher schimpfen immer wieder über Hipster
Hipster und Pfeife passen zusammen

Es wird als vorübergehende Mode abgetan, die mit einem wie auch immer gearteten (eingebildeten?) Kodex der Pfeifenraucher nichts zu tun haben kann. Aber wozu?

Nüchtern betrachtet sollte der typische Pfeifenraucher, der sich in sozialen Netzwerken ausgiebig über seine Passion austauscht, seinem kolportierten Selbstverständnis nach gelassen und neutral begegnen. Er (respektive sie) präsentiert sich in der Regel weltoffen, nachdenklich, humanistisch und tolerant. Aber ein Hipster mit Pfeife? Ein Angehöriger einer Subkultur, die sich provokant mit traditionellen Symbolen vergangener Zeiten in Szene setzt? Das kann nicht sein! Pfeifen sind ein Genussmittel für verständnisvollere Kreise und Schichten, nicht den gemeinen Öko-Adel.

Mir selbst als Pfeifenraucher ist es WIRKLICH egal, wer Pfeife raucht, und wer nicht. Denn wie bei allen Annehmlichkeiten kann ich nicht von mir auf andere schließen -weder wohlwollend, noch herablassend. Mir als Pfeifenhändler ist auch egal, wer Pfeife raucht. Denn wenn wir uns über Pfeifen unterhalten lerne ich Menschen kennen, mit denen ich auf andere Weise vermutlich nie in Kontakt gekommen wäre. In dieser Hinsicht sind Pfeifen ein verbindendes Element, ein willkommener Anlass zum Austausch.

Ihnen selbst, den Pfeifen, ist übrigens auch sehr gleichgültig, aus wessen Mund sie hängen oder wessen Hand sie wärmen.

Wandel bedeutet Entwicklung

Was ist nun schlimm am Hipster mit Pfeife? Nichts! Ich finde es sogar wünschenswert, dass junge Leute die Pfeife als präsentationswürdiges Accessoire ansehen. Wenn es dadurch gelingt, dass Pfeife nicht automatisch mit „mein Opa hat auch immer Pfeife geraucht“ verbunden wird, ist schon viel gewonnen. Mein Opa hatte Locken, das erzähle ich doch aber nicht jedem, der Locken hat, nur weil er Locken hat, oder? Es könnte ein etwas ruhigeres Unterfangen für das Rauchen einer Pfeife in der Öffentlichkeit resultieren. 

Vielleicht gelingt es darüber hinaus sogar, das Design von schönen Pfeifen zu beflügeln. Sicherlich wäre das ein Nutzen für die gesamte Pfeifenrauchergemeinschaft, meine ich. Denn wenn ein ausreichend großer Markt da ist, sind auch die Hürden für gewagtere Modelle niedriger. 

Zusätzlich kann das Aussterben von Tabakmarken eingedämmt werden. Wie jedes andere Unternehmen auch produzieren Tabakhersteller nur solange, wie sie ihre Produkte absetzen können, ohne damit eine Nullrechnung oder sogar Verlust zu verursachen. Einfache Formel: viele Raucher -> viel Absatz -> größeres Angebot.

Fazit

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen scheinen einige Pfeifenraucher Hipster mit Pfeife als Bedrohung anzusehen. Abweichend von ihrem gern verbreiteten Bild der nachdenklichen und toleranten Seele suchen sie lieber nach untragbaren Aspekten, als gemeinsamen Möglichkeiten. Was sie sich davon erhoffen? Schwer zu sagen. Eigentlich unmöglich…

Vielleicht ist es auch nur Ausdruck der deutschen Seele, dass nur zufrieden sein kann, wer nörgelt. Egal, aus welchem Anlass. Vielleicht ist es auch nur die Angst vor Verlust eines Exotenstatus, den sich der ein oder andere eventuell einbildet.

 

 

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