Geheimnis des perfekten Bruyere gelüftet

Bruyére gilt als das geeignetste Material zur Herstellung von Tabakpfeifen. Wissenschaftler der Université de Franche-Comté (Universität der Franche-Comté mit Sitz in Besançon) haben offenbar das Geheimnis des perfekten Pfeifenholzes enttarnt.

Wie der Biologe und Forstwissenschaftler Prof. Bertrand Dupont am Rande eines Kongresses in Marseille der französischen Tageszeitung ›Le Parisiene‹ mitteilte, sei bei einer Studie zum Ungezieferbefall in forstwirtschaftlichen Monokulturen zufällig die Mittelmeerbaumheide Erica arborea (besser bekannt als Bruyére) in den Blickpunkt geraten. Dieser baumartig wachsende Strauch ist bei Pfeifenrauchern überaus bekannt, da die bisweilen fußballgroßen Wurzelknollen eines der wichtigsten Materialien zur Herstellung von Tabakpfeifen ist. Prof. Dupont, der eigentlich einen natürlichen Weg zur Schädlingsbekämpfung auf Anbauflächen mit Anbau einer einzigen Pflanzenart (sogenannte Monokulturen) erforschen wollte, wurde durch einen der vielen lokalen Holzhändler auf die Baumheide aufmerksam gemacht und die Faszination für die Eigenschaften dieses unscheinbaren Gewächses ergriff ihn sofort. „Dass eine Pflanze, die massenhaft in sonnigen Regionen mit mildem Klima wächst, nur durch einen Zufall solch unglaublichen Nutzwert erlangte, ist schon sagenhaft“, so der Naturkenner aus dem französischen Jura. So begab es sich auch, dass er neben seinem eigentlichen Forschungsauftrag auch die begehrten Eigenschaften des Wurzelholzes wissenschaftlichen Untersuchungen unterzog.

Perfektes Bruyére? April, April!
Prof. Betrand Dupont

Unverhoffte Forschungsaufgabe

Zwar habe er niemals in seinem Leben geraucht, sagt Dupont, dennoch konnte er sich der Begeisterung für die beinahe wundersamen Eigenschaften nicht entziehen. Er berichtet mit Verzücken in der Stimme von einem alten Mann mit Pfeife, der von dem tollen Holz schwärmte. „Stellen Sie sich nur vor“, ereiferte sich der Greis, „ich habe Pfeifen aus Birkenholz und Ton, aus Horn und Meerschaum, aus Kürbissen und aus Weichselholz geraucht, aber die Bruyérepfeifen (Bruyére ist der Handelsname für das Holz der Erica arbobrea, Anm. d. Red.) sind anders. Sie halten der Hitze stand, sie nehmen Feuchtigkeit auf und sie halten ewig. Und sie sehen gut aus.“ Diesem Lobgesang wollte der wissbegierige Franzose nachgehen und fand nach rund 13 Jahren mit unzähligen Versuchen und Analysen das Geheimnis der Créme de la créme der Pfeifenbauhölzer, dem Besten, was man von Holz erwarten kann. „Auch innerhalb der Palette der untersuchten Proben dieses quasi elitären Rohmaterials kommt es naturgemäß zu beträchtlichen Qualitätsschwankungen. Was von Grund auf gut ist, kann in vergleichsweise seltenen Fällen auch bis hin zu himmlicher Perfektion gedeihen. Unbenommen der Fähigkeiten des bearbeitenden Handwerkers haben nur wenige zur Verarbeitung vorbereitete Holzstücke, in der Fachsprache Ebauchons genannt, die Qualitäten, die für eine äußerst hochpreisige Pfeife notwendig sind“, verrät der Experte. Diese seien neben einer von Natur aus gleichmäßigen Färbung und besonderer Härte des Holzes vor allem eine möglichst gleichmäßige Maserung und, das scheint die größte Hürde zu sein, die makellose, von Löchern und Einschlüssen völlig freie Substanz. Prof. Betrand zufolge sind insbesondere für die beiden letztgenannten Eigenschaften die Wachstumsbedingungen von entscheidender Rolle.

 

„Die Bedingungen müssen stimmen“

„Zusammenfassend kann man sagen, dass das Holz die bestmögliche n Entwicklungschancen bei einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von 9 Stunden und 26 Minuten, einer durchschnittlichen Lufttemperatur von 23°C im Jahresmittel und einer absoluten Schwankungsbreite von 6°C erreicht. Bei der Luftfeuchtigkeit ist es etwas einfacher; diese sollte sich bei 71% einfinden, darf aber im Extremfall auf bis zu 66% bzw. 83% sinken respektive fallen.“ Wichtig sei hierbei, dass die Temperatur des Bodens auch in kühleren Phasen nicht mehr als 7°C kälter ist, als die Umgebungsluft der Baumheide, da sonst die Nährstoffversorgung der so wertvollen Wurzelknollen nicht gleichmäßig genug erfolgt, um die begehrten Eigenschaften entwickeln zu können. Als weiteres wesentliches Entwicklungskriterium konnte er die Windrichtung ausmachen. „Bei schwachem Wind aus Südwesten, unter entsprechenden Umständen auch aus Südsüdwesten, bilden sich an der Rinde etwa zwei handbreit oberhalb der Wurzelknollen Teppiche der Caperatflechte (Flavoparmelia caperata), die dem Gewächs ausreichend Feuchtigkeit entziehen, um besonders hartes Holz zu befördern und durch ihre Nährstoffbedarfsstruktur den Weg der Mineralstoffe von der Wurzel in die Krone so lenken, dass die eindrucksvolle Maserung entsteht, die der späteren Bruyére-Pfeife ihr vorzügliches Aussehen und natürlich auch den fürstlichen Preis verschaffen wird. Zu guter Letzt haben Pflanzen, die auf Böden mit einem pH-Wert <3,9 wachsen, zusätzliche Chancen, wohlgefällige Eigenschaften zu entwickeln. „Die Bedingungen müssen einfach stimmen“, gibt Prof. Dupont nüchtern zu Protokoll.

Das Wissen ist dahingehend mit einem bitteren Beigeschmack behaftet, als dass es bislang nicht gelungen ist, die Mittelmeerbaumheide in kontrolliertem Anbau, wie es beispielsweise bei Parkbäumen wie Ahorn, Birken, Tannen und dergleichen seit Langem üblich ist, zu ziehen. Nichts desto trotz sieht er in seiner Arbeit einen netscheidenden Fortschritt. „Die Arbeiter können besser abschätzen, ob sich der Aufwand und das Risiko lohnen oder ob sie nicht doch besser an anderer Stelle ernten sollten.

Eine Antwort auf „Geheimnis des perfekten Bruyere gelüftet“

  1. Einzig Erkenntnissen aus Forschungen von US-Wissenschaftlern darf Glauben geschenkt werden. An einem 1. April auch denen nicht.

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