Meine erste frisch gerollte Zigarre – Buena Vista Araperique Robusto

Nachdem ich die erste Gelegenheit krankheitsbedingt nicht wahrnehmen konnte war der lang ersehnte Tag endlich da: die Live-Roller-Tour des Zigarrenimporteurs und Tabakproduzenten Arnold André (u.a. Buena Vista, Clubmaster, Handelsgold, Independence). Ich sollte also (im zweiten Anlauf!) endlich meine erste vor meinen Augen gerollte Zigarre erhalten. Und zeitnah rauchen. Wie schmeckt eine frisch gerollte Zigarre? Merkt bzw. schmeckt man einen Unterschied?

Zigarre rollen

Eine frisch gerollte Zigarre ist eine tolle Sache. Allein dem erfahrenen Zigarren-Roller bei seiner Arbeit zuzusehen ist schon eine Erfahrung, die man wohl nicht so oft auf heimischem Boden machen darf. Mit sichtlich viel Übung packt er die losen Tabakblätter zu einem Bündel, gibt ihnen die benötigte Form und wickelt das Umblatt herum, sodass die „Puppe“ entsteht. Nun wird diese in einer Form mit einigen anderen Puppen zusammen gepresst und anschließend mit dem Deckblatt versehen. Nachdem die Kappe am Ende aufgebracht ist wird die Bauchbinde angebracht. Zu guter Letzt wird die Zigarre auf die richtige Länge gekürzt.

Mich beeindruckt die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Schritte von statten gingen. Dabei erfolgen die Schritte mit einer sagenhaften Präzision, was sich in der exakten Passgröße in der Pressform und der nahezu exakten Länge der fertigen Zigarre -der Abschnitt beträgt keine 4 Millimeter!- besonders zeigt.

 

Der erste Kontakt

Etwas besorgt bin ich durchaus beim ersten Kontakt mit der Zigarre. Zwar konnte ich die Herstellung der Zigarre beobachten und auch mittels Dolmetscher -Spanisch spreche ich leider nicht- Fragen an den Roller richten, die er mit karibischer Leichtigkeit und Lebensfreude beantwortete. Doch habe ich es nicht leicht, die fertig gerollten Blätter in die Hand zu nehmen. Sie wirken zerbrechlich, beinahe wie ein Säugling, dem noch das Blut der Geburt anhaftet. Alles zögern nützt nichts. Ich nehme meinen mit kindlicher Vorfreude gepaarten Mut zusammen und entnehme die Zigarre der liebevoll gestalteten, schwarzen Holzschachtel mit meinem Namen darauf. Wahnsinn! Haptisch ist eigentlich kein Unterschied wahrnehmbar. Sie ist nicht feucht (trockene Blätter kann man doch nicht rollen, dachte ich immer…) und auch nicht weicher als bereits gelagerte Zigarren. Der Kaltgeruch ist von einer grünen Frische getränkt, die wohl eher der Erwartungshaltung und dem beim Zusehen gereiften Bild entspringt, als einer tatsächlichen Sinneswahrnehmung. Übermannt von Glückseligkeit vergesse ich die Schmerzen der Bandscheibe, die Sorgen mit der noch nicht abgeschlossenen Steuererklärung und den Stress der Arbeit. Der Übersetzer verweist auf die Möglichkeit, gegen einen Obulus in frei wählbarer Höhe weitere Zigarren anfertigen lassen zu können. Natürlich geht der Betrag vollständig an den Roller. Doch in Anbetracht des kurz bevorstehenden Termins und absolut leerer Taschen muss ich leider das verlockende Angebot ausschlagen.

Noch immer mit unsäglicher Freude über die Zigarre geladen begebe ich mich zu dem Termin und komme an meiner Hausbank vorbei. Völlig unfähig, mein Tun zu kontrollieren folge ich meinen Beinen zum Geldautomat, stecke die Karte ein und hebe 100,00 Euro ab. Automatisch greift eine Hand zum Telefon und verschiebt den Termin um zwei Stunden. Mit unverhoffter Freizeit und frischem Bargeld tragen mich meine Beine zurück zum Zigarrenroller…

Buena Vista Araperique Robusto
Buena Vista Araperique Robusto fertig zum Rauchen

Endlich rauchen

Einen Tag später gebe ich der Zigarre den perfekten Rahmen. Im Garten mähe ich den Rasen -zugegeben: ich konzentriere mich allein auf die Sitzecke-, richte den Ohrensessel her und stelle das Radio in Hörweite.

Zu den Gedichten und zugehöriger Erläuterung durch die Autorin durchlaufen wir das gesamte Ritual.  Uns beiden ist sofort klar, dass wir gut miteinander zurecht kommen werden. Den Kaltgeruch ausgiebig erforschen, Kappe anlecken und abschneiden. Nun der Kaltzug. Ein Traum! Über dem langen Streichholz wird die Zigarre geröstet, sie soll ja später gleichmäßig abbrennen. Sichtprüfung der Fläche, die gleich rot glühen wird. Das nächste Streichholz entzündet die unter gleichmäßigem Zug langsam gedrehte Zigarre und ich puste dichte Rauchwolken aus. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Begeisterung. Die Frische, die ich gerochen habe, schmecke ich jetzt. Vielleicht ist es auch nur der Einfluss der Erwartungshaltung. Gedichte über das Verhältnis der Japaner zu Bildern vom Mond, optimal temperiertes Bier und die Umstände des Rollens sind ein wunderbares Gesamterlebnis. Kurzzeitig überschlage ich die Optionen, um jeden Tag eine frisch gerollten Zigarre genießen zu können. Außer einem Umzug in die Karibik fällt mir aber nichts Brauchbares ein…

Selbstredend führe ich mein Zigarren-Logbuch gewissenhaft und die Aromen sind unten stehendem Auszug zu entnehmen.

Notizen zur "Buena Vista Araperique Robusto" im Zigarren-Logbuch
Notizen zur „Buena Vista Araperique Robusto“ im Zigarren-Logbuch
Buena Vista Araperique Robusto
E. F. Graf von Luppe mit Zigarre

Es war ein so großartiges Erlebnis, dass ich mich sehr freue, doch noch Geld abgehoben und den Termin verschoben zu haben. Zigarren sollten nach dem Rollen innerhalb von ein bis zwei Wochen oder frühestens nach einem halben Jahr Lagerung geraucht werden. Den Tipp des Rollers halte ich im Gedächtnis und bin zwischen jetzt und erst in einem halben Jahr rauchen hin- und hergerissen.

Buena Vista Araperique Robusto
Der Abend klingt mit der frisch gerollten Buena Vista Araperique Robusto aus.

 

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