Die erste Zigarre rauchen – so wird sie zum Genuss

Die erste Zigarre rauchen. Die erste Zigarre entscheidet über Verbleib oder Abkehr. Und gerade dieser Scheideweg sollte bestmöglich genutzt werden, um nicht die Chance auf den Genuss toller Zigarren zu verbauen. Wie wird die Zigarre ausgewählt, vorbereitet und angezündet? Auf was sollten wir beim Rauchen achten und wie können bereits gerauchte Zigarren die Auswahl für die Zukunft verbessern? In diesem Artikel erfahren Sie, welche Schritte zum vollendeten Zigarrengenuss führen.Möglicherweise kann ein erfahrener Zigarrenraucher im Bekanntenkreis Ihre Fragen beantworten. Falls nicht finden Sie hier Hilfe.

Die Wege, Zigarrenraucher zu werden, sind vielfältig. Möglicherweise haben Sie einen Humidor nebst Inhalt geerbt, haben zum Geburtstag eine von den Kollegen geschenkt bekommen oder sind einfach durch Freunde oder Verwandte mit diesem tollen Genuss in Berührung gekommen.

Zigarre aussuchen

Die Zigarre einfach auspacken und anzünden, wie man es bei Zigaretten gewohnt ist, funktioniert zum Glück nicht. Eine Zigarre zu rauchen bedeutet, eigene kleine Rituale durchzuführen, bis die Zigarre abgebrannt ist. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag, der zwar von Pfeifen handelt, aber analog auf Zigarren anwendbar ist.

Haben Sie Zigarren geschenkt bekommen und sind sich nicht sicher, was zu erwarten ist? Befragen Sie ruhig das Internet, sofern es Hinweise auf Marke und Format gibt. Einige Onlinehändler bieten zu jeder angebotenen Zigarre ein rege genutztes Diskussionsforum, dem nützliche Beiträge zu entnehmen sind. Allerdings ist es ratsam, das Gelesene nicht überzubewerten. Mit aller Wahrscheinlichkeit wird kein zweiter Zigarrenraucher die exakt gleiche Wahrnehmung haben, wie Sie sie haben werden. Das Führen eines eigenen Erfahrungsbuches (bspw. „Das Zigarren-Logbuch„, siehe Link) ist ein geeigneter Weg, die eigenen Erfahrungen strukturiert nutzen können, um nachfolgende Zigarren entsprechend der bisher als „gefallen“ eingestuften Zigarren auswählen zu können.

Zustand der Zigarre prüfen

Anders als bei Zigaretten sollte eine Zigarre nicht staubtrocken, sondern etwas feuchter sein. Also ähnlich, wie man es auch von Pfeifentabak kennt. Daher sollten Zigarren idealerweise auch nicht im Schrank, sondern wenigstens in einer verschlossenen Tüte oder Frischhaltedose (am besten im Kühlschrank) gelagert werden. Ist die Zigarre zu trocken, brennt sie zu heiß ab und führt möglicherweise zu Beschädigungen des noch nicht glimmenden Teils der Zigarre. Eine zu feuchte Zigarre hingegen wird kaum vernünftig glimmen und den Raucher eher durch immerzu notwendiges Neuanzünden erzürnen. Auch die Aromen werden sich schwer tun, ihre Qualitäten zu zeigen.

Der ideale Zustand der Zigarre ist leicht prüfbar. Rollen Sie die Zigarre zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Deckblatt sollte ganz sanft nachgeben und dabei nicht knistern. Bei zu geringem Widerstand ist die Zigarre eventuell zu feucht. Als Gegenmaßnahme kann die Zigarre bei Raumtemperatur Feuchtigkeit abgeben, bis sie genießbar ist. Um zu vermeiden, dass die Zigarre zu trocken ist empfiehlt sich gelegentliche Kontrolle des Zustandes.

Die Oberfläche sollte frei von Beschädigungen wie Rissen, Löchern oder Brüchen sein. Befindet sich ein Riss/ Bruch sehr weit vorn am Fuß der Zigarre, also dort, wo sie angezündet wird, kann man eventuell die Zigarre entsprechend kürzen. Ein kleines Loch im (weit) vorderen Teil ist ebenfalls erträglich, sofern man diesen Makel schnell überwinden kann. Jedoch kann es auch passieren, dass das Loch ein Rauchen unmöglich macht. Dann hilft nur austauschen. Zigarren mit Schäden, die z.B. auf Käfer zurückzuführen sind, können in der Regel problemlos beim Händler umgetauscht werden.

Nehmen Sie den Kaltgeruch der Zigarre auf! Riechen Sie daran (entlang des Deckblattes und am Fußende) und versuchen Sie, bereits das ein oder andere Aroma zu erkennen. Erinnert der Duft vielleicht an eine Wiese oder an Gewürze? Was auch immer Sie riechen, erfreuen Sie sich daran. Wenn Sie schlussendlich die Zigarre rauchen, werden Ihnen die Aromen möglicherweise wieder begegnen.

Zigarre anschneiden

Vor dem Zigarre rauchen steht der Anschnitt. Es gibt grundlegend zwei Arten von Zigarren: Longfiller und Shortfiller. Bei Longfillern werden ganze Tabakblätter längs gerollt und in Form gebracht, anschließend umwickelt und zusätzlich mit einem Deckblatt versehen. Diese Art von Zigarren ist am Kopfende immer mit einer Kappe aus Tabak des Deckblattes verschlossen.

Shortfiller hingegen werden aus zerrissenen Tabakblättern geformt, ähnlich der Zigarettenherstellung, und anschließend ebenfalls mit Umblatt und Deckblatt umwickelt. Zumeist werden Shortfiller ohne Abschlusskappe oder bereits angeschnitten angeboten, Longfiller sind immer selbst anzuschneiden.

Zum Anschneiden gibt es mehrere Möglichkeiten:

der Rundschnitt mit dem Bohrer, der Schnitt mit der Schere oder Cutter/ Guillotine und der V-Schnitt.

 

Rundschnitt

Der Rundschnitt ist mein persönlicher Favorit, da es mit weniger Krümeln verbunden ist. Hierbei wird der Bohrer mittig in das Kopfender der Zigarre gedreht, bis Deckblatt und Umblatt durchstoßen sind. Beim Herausziehen wird ein Rauchkanal freigelegt, der den Rauch in den Mund gelangen lässt. Es gibt bei dieser Methode nur zwei Umstände, die zu beachten sind.

Anbohren vorm Zigarre rauchen
Zigarren-Rundcutter/ Bohrer im Patronendesign

Es können einerseits nur Zigarrenformate mit ziemlich geradem Kopfende angeschnitten werden, was im Grunde die meisten Formate betrifft, die Einsteiger rauchen -Robusto, Churchill, Panatela, Corona, Toro. Zigarren mit konischem, also kegelförmig zulaufendem Kopfende, müssen mit Schere oder Cutter/ Guillotine angeschnitten werden. Dies trifft unter anderem auf die Formate Torpedo, Perfecto, Diplomat und Belicoso zu.

Andererseits darf der Durchmesser der Bohrung im Verhältnis zum Durchmesser der Zigarre nicht zu gering sein, da der Zugwiderstand zu hoch wird und an Genuss nicht zu denken ist.

 

Schere/ Cutter/ Guillotine

Anschneiden vorm Zigarre rauchen
Zigarren-Cutter in Form einer Guillotine mit Bohrungen für Zigarren und Zigarrilos

Der Schnitt mit der Schere oder Cutter/ Guillotine ist bei allen Zigarren anwendbar und dürfte die mit Abstand verbreitetste Methode sein. Einzig der Durchmesser der Zigarre ist gegebenenfalls hinderlich. Das angefeuchtete Kopfende wird an der Kappe mit einem Schnitt abgetrennt. Durch das vorherige Befeuchten verringert man die Gefahr von Rissen und Deckblattbrüchen beim Anschneiden. Bei konisch zulaufenden Formaten richtet sich die Schnittstelle nach dem gewünschten Durchmesser der Öffnung, wodurch natürlich der Zugwiderstand maßgeblich beeinflusst wird.

 

V-Schnitt

Der Vorteil des Anschnitts mit einem V-Cutter liegt in dem immer gleichmäßigen Ergebnis. Es ist nahezu ausgeschlossen, schief oder zu tief zu schneiden. Zusätzlich sollen Vorteile bei Shortfillern zutage treten, die in Zusammenhang mit der Kondensatbildung stehen. Diese Methode ist eher selten anzutreffen und meist an industriell geschnittenen Zigarren zu finden.

 

Zigarre rauchen

Mindestens so wichtig wie die Zigarre ist der richtige Rahmen. Für eine Zigarre benötigt man Zeit. Planen Sie etwa eine Stunde ein, denn eine Zigarre braucht Aufmerksamkeit und will gewürdigt werden.

Die Zigarre anzünden

Ob man die Flamme mittels Streichholz oder (Gas-) Feuerzeug zum Tabak bringt wirkt sich auf weder auf Geschmack, noch auf das Glimmverhalten aus. Jedoch sollte man bei Streichhölzern sicherstellen, dass der Schwefel, der das Holz entzündet vollständig verbrannt ist; Feuerzeuge mit Benzin sollte man unbedingt meiden, da sich die Aromen des Benzins im Tabak niederschlagen und diesen an den Rande der Ungenießbarkeit befördern können. Es gibt spezielle Zigarrenfeuerzeuge, deren Flamme als Jetflamme (man mag es noch vom Bunsenbrenner im Chemieunterricht kennen) weniger anfällig für Windeinwirkung sind. Jedoch sollte man auch mit dem Jet-Feuerzeug ausreichend Abstand halten, um die Zigarre nicht zu verbrennen, bevor Sie die Zigarre rauchen.

 

Zu Beginn wird das Fußende der Zigarre oberhalb der Flamme gedreht, sodass der Tabak gleichmäßig angeröstet wird, aber noch nicht glimmt. Damit wird ein gleichmäßiger Abbrand begünstigt.

Anschließend unter gleichmäßigen, mäßigen Zügen die Zigarre -noch immer drehend- anzünden. Auch hierbei unbedingt auf einen moderaten Abstand zur Flamme achten. Vergewissern Sie sich danach, dass der Fuß der Zigarre vollständig glimmt, da es sonst zu Schiefbrand kommt. Das ist ein lästiges und unattraktives Ärgernis beim Zigarre rauchen. Zu diesem Zwecke können Sie beispielsweise gegen die Glut pusten oder ein poliertes Feuerzeug  oder Ähnliches als Spiegel verwenden, während Sie an der Zigarre ziehen und das Aufleuchten der Glut beim Zug beobachten.

 

Glut am glimmen halten

Um beim Zigarre rauchen die Glut am glimmen zu halten bedarf es keiner besonderen Glutpflege, wie wir sie von der Pfeife her kennen. Allerdings ist allgemein anerkannt, dass die Asche so lange wie möglich an der Zigarre verbleiben sollte. Feste Asche dient einerseits als Merkmal einer handwerklich gut gerollten Zigarre, andererseits sagt man vorteilhaften Einfluss auf den Geschmack nach. Beeinflusst wird die Glimmgeschwindigkeit sowohl durch äußere Faktoren wie Wind, Nässe und Kälte, als auch durch die beim Rollen der Zigarre erwirkte Verdichtung der Tabakblätter und die Zugfrequenz. Als grobe Orientierung spricht man von etwa zwei Zügen in der Minute. Falls die Zigarre ausgeht, so kann die Zigarre ohne Weiteres erneut angezündet werden. Die Zigarre erleidet dabei keinerlei Einbußen bezüglich Genießbarkeit oder Aromenentwicklung.

 

Ist die Zigarre zu Ende geraucht, so lassen Sie sie einfach ausgehen. Das Ausdrücken im Ascher gilt als unkultiviert und wird Ihnen mutmaßlich argwöhnische Blicke einhandeln.

Zigarren erhalten Sie ebenso wie alles weitere Zubehör in unserem Onlineshop.

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