Die erste Pfeife rauchen – so gelingt der Einstieg

Es ist soweit. Sie werden gleich Ihre erste Pfeife rauchen. Wie bringt man den Tabak in den Pfeifenkopf und zündet ihn an? Wie hält man die Glut am glimmen und wie pflegt man die Pfeife, um möglichst lange Freude an und mit ihr zu haben? Mit dieser kurzen Anleitung werden Sie schnell zum Erfolg gelangen. Vielleicht haben Sie Pfeife und Zubehör vererbt oder geschenkt bekommen, vielleicht haben Sie sich auch alle benötigten Artikel selbst zusammen gesucht oder ein Einsteiger-Set erstanden, beispielsweise von Jean Claude oder Chacom. Wie auch immer Ihr Anfangswerkzeug zu Ihnen kam: herzlichen Glückwunsch! Die erste Pfeife verändert vieles.

Pfeife vorbereiten

Zum Glück benötigt die Pfeife etwas Vorbereitung, bevor wir sie genießen können. Pfeife auswählen, stopfen und anzünden kann mitunter rituelle Auswüchse annehmen und nicht selten ebenso genussvoll sein, wie der Genuss des Tabaks selbst. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag. Falls Sie Ihre Pfeife mit Filter rauchen, setzen Sie diesen natürlich vor dem Stopfen entsprechend den Hinweisen des Herstellers ein. Wichtig ist hierbei, das Mundstück immer mit einer drehenden Bewegung aus dem Holm zu lösen und in die gleiche Richtung drehend wieder einzufügen.

Der Tabak sollte nicht (zu) trocken sein

Anders als bei Zigaretten sollte Pfeifentabak nicht staubtrocken, sondern etwas feuchter sein. Also ähnlich, wie man es auch von Zigarren kennt. Daher sollte der Tabak idealerweise auch nicht im Schrank, sondern wenigstens in einer verschlossenen Tüte (am besten im Kühlschrank) gelagert werden. Ist der Tabak zu trocken, brennt er einerseits zu schnell und andererseits zu heiß. Letzteres ist für die Pfeife nicht gut, da sie im Bereich der Brennkammer Schaden nehmen kann. Zu feuchter Tabak hingegen wird kaum richtig zu glimmen beginnen und den Raucher eher durch immerzu notwendiges Neuanzünden erzürnen. Auch die Aromen werden sich schwer tun, ihre Qualitäten zu zeigen.

Glücklicherweise gibt es für beide Fälle zügige Abhilfe. Ist der Tabak zu feucht, so kann er an der Luft, zum Beispiel durch öffnen der Verpackung oder ausbreiten der benötigten Menge, recht schnell Feuchtigkeit verlieren und somit rauchbar werden. Ist der Tabak zu trocken, kann man ihn in kleineren Mengen in die Pfeife einfüllen, den Pfeifenkopf mit der Hand umschließen und mit langen, tiefen Atemzügen dem Tabak die benötigte Feuchtigkeit (im wörtlichen Sinn) einhauchen. Natürlich sollten Sie den Feuchtigkeitszustand ab und an prüfen und die zu befeuchtenden Portionen lieber etwas kleiner halten.

Für den Anfang empfehlen wir locker geschnittenen Tabak (Loose cut), beispielsweise den Kentucky Bird, der mit leichten, blumigen Aromen und einem angenehmen Raumduft überzeugt.

Die Pfeife stopfen

Um den Tabak in den Pfeifenkopf zu bringen gibt es mehrere Möglichkeiten. Die drei verbreitetsten dürften dabei die Drittel-Methode, die Portionsstopf-Methode und die Roll-Methode sein. Wie auch immer die Methoden sonst noch benannt werden, das einzig wichtige ist, dass sich der Tabak am Ende vernünftig verdichtet im Pfeifenkopf befindet.

Drittel-Methode:

Die einzufüllende Tabakmenge wird in drei gleichgroße Portionen geteilt, die nacheinander eingebracht werden. Das erste Drittel wird mit dem kleinen Finger im Pfeifenkopf nach unten gedrückt, das zweite Drittel mit dem Zeigefinger und die dritte Portion kräftig mit dem Daumen.

Portionsstopf-Methode:

Die gesamte einzufüllende Tabakmenge wird als „Gesamtpaket“ eingebracht und kräftig (mit dem Daumen beispielsweise) komprimiert.

Roll-Methode:

Die gewünschte Menge Tabak wird auf der Handfläche als Ballen aufgelegt, der Pfeifenkopf wird mit der Öffnung nach unten und mit sanftem Druck in eng kreisenden Bewegungen über dem Tabakballen bewegt, sodass der Tabak gleichmäßig in die Brennkammer befördert wird. Auch hierbei anschließend mit dem Daumen kräftig komprimieren.

Welche Methode gewählt wird ist lediglich nach der eigenen Vorliebe zu richten. Wichtig jedoch: in jedem Fall vor dem Anzünden an der Pfeife ziehen. Der Zugwiderstand sollte dem eines Strohhalmes entsprechen, wenn man Wasser damit trinkt. Ist der Zugwiderstand zu gering wird nachpressen die Lösung bringen; ist der Zugwiderstand zu hoch hilft es nur, die Pfeife zu leeren und erneut zu befüllen.

Pfeife rauchen

Ist die Pfeife erst gestopft, kommt der Zeitpunkt der „Inbetriebnahme“. Auch hier bietet sich einiger Spielraum für Rituale, beispielsweise einige Trockenzüge oder das nochmalige riechen am eingebrachten Tabak, um die Vorfreude auf die Aromen zu steigern.

Die Pfeife anzünden

Ob man die Flamme mittels Streichholz oder (Gas-) Feuerzeug zum Tabak bringt wirkt sich auf weder auf Geschmack, noch auf das Glimmverhalten aus. Jedoch sollte man bei Streichhölzern sicherstellen, dass der Schwefel, der das Holz entzündet vollständig verbrannt ist; Feuerzeuge mit Benzin sollte man unbedingt meiden, da sich die Aromen des Benzins im Tabak niederschlagen und diesen an den Rande der Ungenießbarkeit befördern können. Es gibt spezielle Pfeifenfeuerzeuge, deren Flamme im Winkel von 45° abstrahlt, sodass man den Daumen nicht in die Hitzezone bringt. Bitte verzichten Sie auf die Verwendung einer Jet-Flamme, wie sie für Zigarren gern verwendet wird, um Beschädigungen des Pfeifenkopfrandes zu vermeiden.

Pfeifenfeuerzeug mit 45°-Flamme
Pfeifenfeuerzeug mit 45°-Flamme

Tipp: verwenden Sie ein Feuerzeug mit glatter oder im Bestfall sogar polierter Oberfläche, um mit dessen Hilfe spiegelgleich auf die Glut zu sehen.

Pfeifenfeuerzeug mit integriertem Pfeifenbesteck
Pfeifenfeuerzeug mit integriertem Pfeifenbesteck

Zum anglimmen  des Tabaks kreisen Sie nun langsam und gleichmäßig mit der (weichen) Flamme darüber, während Sie zeitgleich ruhig an der Pfeife ziehen. Die Flamme wird nun direkt auf den Tabak gezogen. Da dieser unter der Hitzeeinwirkung aufquillt muss die Glut nun mithilfe des Stopfers (der eigentlich nicht stopft, sondern immer nur glättet) geglättet und erneut mit ruhigem, gleichmäßigem Kreisen entzündet werden.

Glut am glimmen halten

Um beim Pfeife rauchen die Glut am glimmen zu halten bedarf es einer Glutpflege. Beeinflusst wird die Glimmgeschwindigkeit sowohl durch äußere Faktoren wie Wind, Nässe und Kälte, als auch durch die beim Pressen erwirkte Verdichtung des eingefüllten Tabaks und die Zugfrequenz. Als grobe Orientierung spricht man von etwa zwei Zügen in der Minute. Sofern die Pfeife nicht ausgeht genügt es, erst bei deutlich nachlassendem Zugwiderstand die Glut erneut zu glätten. Ist man sich nicht sicher, ob die Glut bereits erloschen ist, so kann man auch hier ein (poliertes) Feuerzeug als Spiegel verwenden und das Aufleuchten der Glut beim Zug beobachten.

Geht die Pfeife zwischendurch aus, ist es kein Problem, den Tabak erneut anzuglimmen. Der Tabak erleidet dabei keinerlei Einbußen bezüglich Genießbarkeit oder Aromenentwicklung.

Bei der Glutpflege haben Pfeifen mit gebogenem Holm und Mundstück den Vorteil, dass man die Glut beim Pfeife rauchen beobachten kann.

Pfeife pflegen

Eine Ruhezeit gönnen

Nach dem Rauchen sollten Sie der Pfeife einen Tag Ruhe gönnen, um komplett auszukühlen und aufgenommene Feuchtigkeit abzugeben. Hierzu ist es ratsam, die Asche etwas aufzulockern, damit diese Feuchtigkeit aus dem Holz aufnehmen kann. Bevor Sie den Filter entfernen, lassen Sie die Pfeife wenigstens eine Stunde auskühlen, damit der Zapfen des Mundstücks sich wieder zusammenziehen kann und nicht abbricht (Kunststoff dehnt sich durch die Wärme stärker aus als Holz) oder der Holm reißt. Die meisten Holmbrüche und -risse beziehungsweise Zapfenbrüche sind auf das zu frühe Herausdrehen des Mundstücks zurückzuführen.

Wenn Sie also davon ausgehen, dass sie am Tag mehr als eine Pfeife rauchen werden, wird Ihre Pfeifensammlung mit Sicherheit zügig anwachsen. Die Pfeife wird zwar nicht gleich auseinander fallen, falls man ihr die Ruhezeit nicht gönnt, jedoch kann es kaum schaden, auf die Pflege einer Pfeife zu achten, um auch nach Jahrzenten noch Freude an ihr zu haben.

Die Pfeife reinigen

Viele Pfeifenraucher finden an der Reinigung der Pfeife ebenso viel Gefallen wie am eigentlichen Pfeife rauchen selbst. Zur Reinigung nach jedem Rauchen gehört das Entfernen des Kondensates aus Mundstück, Holm und Zugloch mittels Pfeifenreiniger. Diese sind sowohl mit gleichmäßigem Umfang als auch von einem zum anderen Ende verjüngend (konisch) sowie mit unterschiedlichen Borstenhärten erhältlich. Im Falle eines gebogenen Mundstückes wird der Reiniger vor dem Einführen einigermaßen in Form des Mundstückes gebogen, um dem Auskratzen im Bohrungskanal entgegen zu wirken.

Zu den Reinigungsarbeiten, die nicht nach jedem Rauchgang, aber dennoch regelmäßig durchzuführen sind, gehören unter anderem das Säubern der Filterkammer (beispielsweise mit einem Wattestäbchen, zusammengebogenem Pfeifenreiniger oder einem zusammengezwirbelten Papiertaschentuch) und das Entfernen des Schmutzes am Pfeifenkopfrand. Hierzu genügt es, den Schmutz mit etwas Speichel und einem Taschentuch von der warmen Pfeife abzuwischen.

Mit dem Pfeifenbesteck wir die Brennkammer ausgeräumt
Mit dem Pfeifenbesteck wir die Brennkammer ausgeräumt
Pfeifenreiniger für gebogene Mundstücke vorbiegen
Für gebogene Mundstücke den Pfeifenreiniger vorbiegen, damit der Rauchkanal nicht ausgekratzt wird
Kammern reinigen
Mit an einem Ende eingeknickten Pfeifenreiniger werden (gelegentlich) Filterkammer und Mundstückzapfen gereinigt
Pfeifenkopf reinigen
Nach jeder Benutzung sollten Zugloch und Brennkammer gereinigt werden (Brennkammer nur von loser Asche befreien, nicht auskratzen)

Zur jährlichen Großreinigung ist die Alkohol-Salz-Methode das Mittel der Wahl, um der Pfeife die im Holz abgelagerten Aromen und Bitterstoffe zu entziehen. Im Rahmen der Großreinigung wird auch gerne die Politur wieder auf Vordermann gebracht beziehungsweise bei rustizierten oder sandgestrahlten Pfeifen die Oberfläche gereinigt. Mit der Zeit lagert sich beim Pfeife rauchen trotz aller Sorgfalt und Sauberkeit immer auch ein wenig Schmutz von den Händen und aus der Umgebung auf der Oberfläche ab. Nicht zuletzt freut sich das Mundstück unter Umständen ebenfalls über eine ausgiebige Politur.

Brennkammer mit Salz gefüllt und 10-20 Tropfen Alkohol aufgetropft
Brennkammer mit Salz gefüllt und 10-20 Tropfen Alkohol aufgetropft
Verwahrloste Pfeifen
So sehen Pfeifen irgendwann aus, wenn sie nicht gepflegt werden

Viel Spaß mit Ihrer ersten Pfeife und herzlich willkommen in der Pfeifenraucher-Gemeinschaft.

2 Antworten auf „Die erste Pfeife rauchen – so gelingt der Einstieg“

  1. Wow kein schlechter Ratgeber für den Anfang. Ich bin schon eine Weile am überlegen mir mal eine zu kaufen. Hat einfach schon den gewissen Stil… 🙂
    Gibt es sehr starke Unterschiede zwischen verschiedenen Pfeifen. Ich wollte mich jetzt einfach so eine Pfeife kaufen . Ist das ok oder Muss ich auf irgedentwas spezielles achten.
    Ansonsten hast du ja wirklich alles abgedeckt was es zu wissen gilt!

    lg

    1. Meiner Meinung eignen sich die meisten Anfänger-Sets. Die Pfeife sollte möglichst einen geraden Holm haben und ein mittleres Füllvolumen.
      Wer es zunächst nur versuchen möchte, um herauszufinden, ob es gefällt, kann auch mit einer Corn Cob (ca. 12,00€), Tabak und einem einfachen Pfeifenbesteck die ersten Gehversuche machen.

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